22 Sep. Siemensbahn Berlin
Siemensbahn Berlin
Siemensbahn – Eine Bahnstrecke wird „wachgeküsst“.
Die sogenannte Siemensbahn, eine stillgelegte S-Bahn-Strecke im Westen Berlins, verbindet das Zentrum der Hauptstadt mit dem dahinterliegenden Siemens-Gelände. Sie wurde zwischen 1927 und 1929 zum Transport der arbeitenden Bevölkerung zu den Siemens-Werken erbaut. In den 1980er Jahren wurde sie stillgelegt. Die Strecke wird nun im Rahmen der Initiative I2030 der Länder Berlin und Brandenburg reaktiviert. [1]
Nach der Überquerung der Spree verläuft ein Großteil der Strecke stadtauswärts als Hochbahn auf einer imposanten Stahlfachwerkkonstruktion. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz und ist als Zeugnis der Ingenieurskunst seiner Zeit erhaltenswert.
Im Auftrag des Berliner Senats werden derzeit von der Deutschen Bahn AG Planungen zur Sanierung der Brücke durchgeführt. Die Qualität des (Schrott-)Stahls ist eine wichtige Eingangsinformation für die Planung der Wiederinbetriebnahme. Dazu werden üblicherweise an bestimmten Stellen Bohrkerne oder andere kleine Proben entnommen. Aufgrund der Gesamtlänge des Bauwerks und der Vielzahl der Einzelkomponenten ist dieses Vorgehen im vorliegenden Fall als äußerst aufwendig einzustufen. Schwierigkeiten sind bei dieser Stichprobenmethode hinsichtlich der statistischen Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Gesamtstrecke zu erwarten.

Siemensbahn Berlin
Mobile Funkenemissionsspektroskopie (kurz: OES)
Mithilfe eines neuen Verfahrens, das von der IWT-Solutions AG in Zusammenarbeit mit der Technische Hochschule Mittelhessen in Gießen für einen solchen Anwendungsfall entwickelt wurde, lassen sich die genannten Schwierigkeiten überwinden. In kurzer Zeit und mit überschaubarem Aufwand lässt sich eine Vielzahl von vernieteten Einzelbauteilen hinsichtlich der Stahlgüte zerstörungsfrei vermessen. Durch die Auswahl repräsentativer Schnitte durch verschiedene Bauteilachsen entlang der gesamten Strecke lässt sich ein repräsentatives Abbild der Stahlqualitäten ermitteln.

Entfernung der Korrosionsschicht

Feinbearbeitung der Messstelle
Messung mittels mobiler Funkenemissionsspektroskopie (kurz: OES)
Eingesetzt wird die mobile Funkenemissionsspektroskopie (kurz: OES). Die IWT-Solutions AG hat diese Methode gemeinsam mit der Hitachi High-Tech Analytical Science GmbH für diese Messaufgabe adaptiert. Gemessen wird die chemische Zusammensetzung des Stahls. Zunächst wird die Korrosionsschicht durch ein spezielles Verfahren schonend entfernt und die Oberfläche so vorbereitet, dass keine Verunreinigungen der Messung durch Elemente aus dem Korrosionsschutz oder Lochfraß entstehen können. Die IWT wertet die Messergebnisse unter Berücksichtigung des vorhandenen Know-hows über die Besonderheiten der industriellen Stahlproduktion zum Zeitpunkt der Herstellung aus. Dadurch erfolgt eine Zuordnung zu den seit 1927 normativ bekannten Stahlsorten, wie beispielsweise St 48 oder St 34.
Mithilfe der Methode konnten 470 Messungen in kürzester Zeit mit relativ geringem Gesamtaufwand durchgeführt werden. Die Ergebnisse liefern dem Auftraggeber, der Bahn AG, frühzeitig wichtige Informationen für die weitere Planung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Methode ein leistungsstarkes und flexibles Verfahren darstellt, das im Bereich der Altstahlsanierung vorteilhaft eingesetzt werden kann und bereits in der frühen Planungsphase wertvolle Daten liefert. Es wird erwartet, dass die Methode auf Stahlkonstruktionen jeden Alters und jeder Nutzung, wie beispielsweise Straßenbrücken, Industriebauten und Wasserbauwerke, angewendet werden kann.
Im Projekt i2030 planen die Länder Berlin und Brandenburg, die Deutsche Bahn und der VBB eine bessere Schieneninfrastruktur für die Hauptstadtregion.


